Wort trifft Musik in der Villa Papendorf bei Rostock

Wort trifft Musik am Freitag, 25.Januar 2013 in der Villa Papendorf bei Rostock.

Und weil sie nicht gestorben sind …

Ein Bilderbogen in Wort und Musik zum 200. Jahrestag der „Kinder- und Hausmärchen“ der Gebrüder Grimm mit Barbara Auer und Sebastian Knauer. Mit Klavierkompositionen von Beethoven, Schubert, Mendelssohn und anderen.

„Kinder- und Hausmärchen“ der Gebrüder Grimm

Faszination Märchen: Ob Märchenfilme, Märchenhochzeiten oder Fußball-Sommermärchen – im Zeitalter von High Tech und Internet scheint der Bedarf an Traumfantasien und Geschichten von wunderbaren Fügungen und Glücksmomenten größer zu sein denn je. Stellvertretend für die Sehnsüchte nach märchenhafter Wirklichkeit feiern Dornröschen und Co. fröhliche Urständ, und die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, die sie vor zweihundert Jahren zu anscheinend unverwüstlichem Lesestoff verarbeitet haben, sind so populär wie eh und je. Grund genug, das Jubiläum ihrer erstmals 1812 veröffentlichten „Kinder- und Hausmärchen“ mit einem musikalischen umrahmten Erzählabend zu feiern.

Sebastian Knauers jüngste Produktion aus seiner mittlerweile langen Reihe „Wort trifft Musik“ schlägt einen Bogen von der Entstehungszeit der Grimm’schen Märchen in unsere Gegenwart: Begleitet von Musik der damals führenden Komponisten, werden die alten Fabeln von schönen Prinzessinnen, verzauberten Königssöhnen, bösen Feen und guten Geistern in die Moderne transponiert und dabei gelegentlich gegen den „bürgerlichen“ Strich gebürstet, auf den die beiden Märchensammler sorgsam geachtet hatten. So erscheint der „gestiefelte Kater“ als erfolgreicher Karriere-Manager, Aschenputtel als selbstbewusst emanzipierte Aufsteigerin, und bei „Schneewittchen und den sieben Zwergen“ taucht die Frage nach versteckten erotischen Anspielungen auf.

Aber auch den Motiven, die das Brüderpaar aus dem hessischen Hanau zur Publizierung der überlieferten Märchen veranlassten, geht das Programm nach: Als junge Männer erlebten die beiden die napoleonische Besetzung mit, eine Zeit also, wie es Jacob Grimm formuliert hat, „wo das eintönige Grau der Schmach und Erniedrigung schwer über Deutschlands Himmel hing“. So wie viele Intellektuelle der eben beginnenden Romantik entdeckten sie die Vergangenheit mit ihren Sagen und Mythen wieder, begeisterten sich für Fantastisches und Märchenhaftes und suchten „Trost und Labung in der Geschichte der deutschen Literatur und Sprache“.

Verbunden wird die Geschichte der Grimm-Brüder und ihrer Märchensammlung mit der Musik ihrer Epoche, die – beginnend mit Beethoven und Schubert und fortgeführt durch Mendelssohn und Schumann – wie die Literatur neue Wege ging, sich von den strengen Formprinzipien der Klassik löste und subjektive Gefühle und Stimmungen in den Vordergrund rückte.

Barbara Auer

Barbara AuerAls Älteste von drei Geschwistern wuchs Barbara Auer in einem katholisch geprägten Elternhaus auf. Nach dem Abitur an dem altsprachlichen Heinrich-Suso-Gymnasium in Konstanz studierte sie 1978 an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Hamburg. Ihr Studium schloss sie 1981 mit dem Diplom ab. Ihr Debüt als Schauspielerin gab sie im gleichen Jahr am Stadttheater Mainz in dem Stück Der Diener zweier Herren. 1983 folgte ein Engagement in Osnabrück und 1986 am Schauspielhaus Wuppertal.

1982 war sie erstmals in einem Kinofilm zu sehen: Die Macht der Gefühle von Alexander Kluge. Bekannt wurde sie 1988 in ihrer Rolle als DDR-Kranführerin Jessica in Vivian Naefes Fernsehfilm Der Boss aus dem Westen. Dem Theater blieb Barbara Auer trotz zahlreicher Kino- und Fernsehfilme verbunden, so gab sie von 1999 bis 2001 am Wiener Burgtheater unter der Regie von Sven-Eric Bechtolf die Roxanne in dem Theaterstück Cyrano de Bergerac des französischen Autors Edmond Rostand.

 

Sebastian Knauer

Sebastian KnauerDer aus Hamburg stammende Pianist Sebastian Knauer gehört zu den ganz Großen seiner Zunft. Als vielfacher Gewinner diverser musikalischer Wettbewerbe und als Schüler von Karl-Heinz Kämmerling und Philippe Entremont Christoph Eschenbach, András Schiff, Alexis Weissenberg und weiteren herausragenden Pianisten gab er 1984 als 13-Jähriger sein Konzertdebüt in der Laeiszhalle Hamburg. Seither führten ihn Konzerttourneen durch ganz Europa, die USA, Südamerika und Asien. Er spielte in den bedeutendsten Konzerthäusern und mit herausragenden Dirigenten wie u. a. Sir Roger Norrington, Fabio Luisi, Neeme Järvi. Als Schöpfer von besonderen Programmen besitzt er neben seiner brillanten und makellosen Technik auch einen feinen Sinn für das diffizile Gewebe klassischer Strukturen. Gefühl, Ausdruck und eine ganz besondere Verve kennzeichnen seine ausgewählten Interpretationen großer und seltener Klassiker und begeistern ein stetig wachsendes internationales Publikum. In Mecklenburg-Vorpommern ist Sebastian Knauer nicht zuletzt durch seine Gastspiele bei den Festspielen Mecklenburg bekannt. 2012 gab Sebastian Knauer seinen Einstand als künstlerischer Leiter des neu ins Leben gerufenen und stürmisch gefeierten Musikfestivals in Augsburg Mozart@Augsburg.

Wort trifft Musik in der Villa Papendorf bei Rostock

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