Leipziger Buchpreisträger Martin Pollack auf Wiederentdeckung Galiziens bei den Usedomer Literaturtagen

Martin Pollack, ausgezeichnet mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2011, wird am 2. April zu den Usedomer Literaturtagen ein heute vergessenes Gebiet vorstellen. Unter dem Titel „Nach Galizien, nach Amerika“ werden seine beiden Werke „Nach Galizien“ und „Kaiser von Amerika“ im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen. Moderiert wird der Abend im Schloss Stolpe von Andreas Kossert.

Der Historiker und Autor ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin und war bereits bei den Usedomer Literaturtagen 2009 und 2010 auf der Insel zu Gast. Die ursprünglich an diesem Abend geplante Lesung mit Peter Härtling muss leider krankheitsbedingt abgesagt werden.

Bis 1988 war Martin Pollack Redakteur der Zeitschrift „Der Spiegel“, zuerst in Wien und dann in Warschau. Seither arbeitet er als freier, vielfach ausgezeichneter Autor, Übersetzer und Reporter. Pollack, der sich durch die historische Aufarbeitung von Nationalsozialismus und Kommunismus sowie durch seine Übersetzertätigkeit für die Verständigung zwischen Polen und Österreich einsetzt, wurde für dieses Engagement bereits mehrfach geehrt. 2003 erhielt er das Kavalierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen sowie den Österreichischen Staatspreis für literarische Übersetzungen. Für sein Gesamtwerk wurde Pollack 2010 der Georg-Dehio-Buchpreis des Deutschen Kulturforums östliches Europa verliehen.

In seinem fiktiven Reiseführer „Nach Galizien“ lässt er eine heute verschwundene Region wieder aufleben. Mit dokumentarischer Präzision und literarischer Stilistik beschreibt Pollack die vergessene Welt Ostgaliziens und der Bukowina. In seinem 2010 erschienen Roman „Kaiser von Amerika“ greift er diese Thematik erneut auf und berichtet von der Flüchtlingswelle, mit der Ende des 19. Jahrhunderts Juden, Polen und Ukrainer aus Galizien nach Amerika emigrierten. Pollack wagt sich ohne Scheu und mit viel Realismus an ein sensibles Thema und erzählt von der großen Hoffnung nach einer besseren Zukunft und dem sich dabei auch schnell entwickelnden unmoralischen Geschäft. Parallelen zur heutigen Zeit wirken in diesem Zusammenhang umso eindrücklicher. In einem Interview in der FAZ vom 26.11.2010 meint Pollack: „Ich glaube, man muss jeden Konflikt ansprechen, erst daraus kann sich irgendeine Weiterentwicklung ergeben.“

Die Usedomer Literaturtage 2011 sind Geschichten auf der Spur, die von der Grenze zwischen Deutschland, Polen und Tschechien geprägt sind. Vom 30. März bis zum 3. April werden u.a. Sabrina Janesch, Radka Denemarková, Basil Kerski, Alfred Brendel und Hellmuth Karasek, erwartet.

Die Usedomer Literaturtage sind eine gemeinsame Veranstaltungsreihe des Usedomer Musikfestivals in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa sowie der Gemeinde Ostseebad Heringsdorf. Wie 2009 übernimmt der Ministerpräsident des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering, die Schirmherrschaft. Kulturpartner ist NDR Kultur.

Karten und Informationen sind unter 038378.34647 erhältlich. Das komplette Programm ist unter www.usedomer-literarturtage.de zu finden.

Leipziger Buchpreisträger Martin Pollack auf Wiederentdeckung Galiziens bei den Usedomer Literaturtagen

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