Sammler und Museen – eine Liebesheirat?

Geschafft!

Die Schenkung des Sammlers ist im Museum angekommen, die Verhandlungen, Gespräche, Vertragsabschlüsse sind Geschichte – die Präsentation des wunderbaren Museumszuwachses ist aufbereitet für die Öffentlichkeit – der Festakt der Übergabe vollzogen. Aber: Jetzt geht es erst richtig los! Der Sammler ist mit seiner Schenkung zu einem wichtigen Partner des Museums geworden, er möchte einbezogen werden in die musealen Abläufe, womöglich sammelt er weiterhin und in Absprache für das Museum. Und: der Sammlungszuwachs braucht Platz! Wohin mit dem neuen Schatz? Muss ein Teil der ständigen Sammlung weichen?

Wie handhaben öffentliche Museen den für sie so wichtigen Zugewinn durch private Sammlungen? Viele große Museen, zumeist Gründungen des 19. Jahrhunderts, verdanken wichtige Teile ihrer Bestände privaten Sammlungen, die sie als Geschenk erhielten oder angekauft haben. So z. B. die Stiftung Preußischer Kulturbesitz Berlin. 1995 übergab der Berliner Unternehmer Dr. Erich Marx seine große Sammlung von Kunst des 20. Jahrhunderts als unbefristete Dauerleihgabe an die Nationalgalerie Berlin.

1996 wurde der Hamburger Bahnhof mit den Werken der Sammlung Marx eröffnet. 2007 drohte Marx mit dem Abzug seiner Kunstsammlung, weil er seine Sammlung vernachlässigt sah. Der Abzug konnte verhindert werden, der damalige Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Klaus-Dieter Lehmann stellte den Bau einer neuen Kunsthalle in Aussicht.

Auch die großartige Schenkung der Surrealisten-Sammlung von Ulla und Heiner Pietzsch an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (2010) ist mit der Zusageverbunden, dass sie nicht in den Depots der Museen verschwindet, sondern der Öffentlichkeit präsentiert wird. 2012 stellte der Bundestag 10 Millionen Euro zur Erhöhung des Bauhaushalts der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zur Verfügung und plante eine dauerhafte Unterbringung der Sammlung in der Gemäldegalerie am Kulturforum in einem neuen ´Museum des 20. Jahrhunderts´ (ab 2018).

1993 überließ der Sammler Paul Maenz seine Kollektion zeitgenössischer Kunst den Kunstsammlungen zu Weimar – die Hälfte als Leihgabe, ein Viertel als Schenkung, der Rest wurde von Weimar angekauft. 1999 wurde das Neue Museum Weimar mit Werken der internationalen Avantgarde aus der Sammlung Maenz eröffnet. 2004 hat Maenz die Leihgaben zurückgezogen, weil er eine angemessene Betreuung dieser Kunst vermisste.

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Schenkungen von Altmeistersammlungen sind sehr selten – die Gabe von 155 niederländischen Gemälden des Berliner Sammlers Christoph Müllers an das
Staatliche Museum Schwerin ist die wohl größte Schenkung von Altmeistergemälden, die ein deutsches Museum nach dem 2. Weltkrieg erhielt. Welche Vereinbarungen wurden hier getroffen, um die Schenkung gut mit der vorhandenen Sammlung zu vereinigen? Wie kann es glücken, dass die geschenkten (oder geliehenen) Zuwächse sich zur allseitigen Zufriedenheit integrieren?

Wir möchten mit Ihnen zu diesen Fragen ins Gespräch kommen und laden ein zu der Podiumsdiskussion

Sammler und Museen – eine Liebesheirat?
am 30. Januar 2014 um 19 Uhr
in der Vertretung des Landes Mecklenburg-Vorpommern beim Bund,
In den Ministergärten 3, Berlin

Begrüßung
Dr. Pirko Kristin Zinnow
Staatssekretärin und Bevollmächtigte des Landes Mecklenburg-Vorpommern beim Bund

Keynote
Prof. Dr. Wolfgang Holler, Generaldirektor Klassik Stiftung Weimar

Podium
Christoph Müller, Sammler, Berlin
Prof. Dr. Ralf Leinemann, Sammler, Berlin
Dr. Sebastian Preuss, Stellvertretender Chefredakteur der Weltkunst
Dr. Dirk Blübaum, Direktor Staatliches Museum Schwerin/Ludwigslust/Güstrow
Prof. Dr. Wolfgang Holler, Generaldirektor Klassik Stiftung Weimar

Moderation
Dr. Roland Löffler, Herbert Quandt-Stiftung

Empfang ab ca. 20.15 Uhr

Sammler und Museen – eine Liebesheirat?
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