Wort trifft Musik – eine Hommage an George Gershwin in der Villa Papendorf bei Rostock

Wort trifft Musik am Samstag, 13. April 2013 um 19:30 Uhr American Dream eine Hommage an George Gershwin mit Martina Gedeck und Sebastian Knauer in der Villa Papendorf bei Rostock. Erinnerungen an George Gershwin – den Musiker, der seiner Zeit voraus war.


 
 

Washington am 28. August 1963: Wie Millionen Amerikaner verfolgt George Gershwins Schwester Frances im Radio die Rede, die Martin Luther King auf der Massenkundgebung der Bürgerrechtsbewegung vor dem Lincoln Memorial hält und die in den berühmt gewordenen Worten „I have a dream“ gipfelt. Der beschwörende Appell des Pfarrers aus Georgia, endlich auch seinen schwarzen Brüdern den gerechten Anteil am amerikanischen Traum von Freiheit und Gleichheit zuzugestehen, lässt sie an die Geschichte ihrer eigenen Familie zurückdenken: Ihre Eltern, die  russischen Juden Moshe und Rosa Gershowitz, waren Ende des 19. Jahrhunderts nach Amerika ausgewandert, weil sie darauf vertrauten, dass dort jeder unabhängig von Herkunft, Hautfarbe und Religion die Chance erhalten würde, durch harte Arbeit sein Glück zu machen. Für sie und vor allem für ihren Sohn George sollte der amerikanische Traum auf beinahe märchenhafte Weise in Erfüllung gehen. Auch im Sommer 1963 ist der jung gestorbene Gershwin immer noch einer der populärsten amerikanischen Komponisten, dessen Songs und Musicals ebenso allgegenwärtig sind wie seine Werke für den Konzertsaal und seine Oper „Porgy and Bess“.

Unter dem Eindruck von Martin Luther Kings Rede lässt Frances den kometengleichen Aufstieg ihres Bruders vom rauflustigen Straßenjungen von der New Yorker Eastside  zum gefeierten Broadway-Star Revue passieren und erinnert sich an seinen Siegeszug durch die europäischen Musikzentren London, Paris und Wien, der wenig später durch die Machtübernahme der Nazis in Deutschland und Hitlers Eroberungsfeldzüge jäh unterbrochen wurde.

Die vom Jazz beeinflusste Musik des Juden Gershwin galt im Nazi-Deutschland als „entartet“ und war verboten. Als 1943 im deutsch besetzten Kopenhagen „Porgy and Bess“, von der Nazi-Propaganda als „Negeroper mit Urwaldgeschrei“ bezeichnet,  als europäische Erstaufführung auf den Spielplan gesetzt wurde, drohten die braunen Eroberer mit der Sprengung des Opernhauses.

Erst nach dem Krieg gab es eine Gershwin-Renaissance in Europa, sowohl für seine populären Songs und Musicalmelodien, als auch die für den Konzertsaal  bestimmten Stücke wie die „Rhapsody in Blue“.
Gleiches gilt für seine 1935 entstandene „Volksoper“ über die Lebenswelt der Schwarzen, die auch bei vielen von der Rassendiskriminierung geprägten Amerikanern anfangs auf Unverständnis gestoßen war. Verübelt wurde Gershwin zudem, dass er  auf einer Besetzung ausschließlich mit schwarzen Sängern bestand, was beispielsweise für die New Yorker Metropolitan Opera nicht in Frage kam. Andere Häuser akzeptierten die Bedingung des Komponisten und ermöglichten so eine kleine Revolution: Zum ersten Mal wurden in amerikanischen Theatern die Rassenschranken nicht nur hinter den Kulissen aufgehoben, sondern auch im Zuschauerraum.

Die von Frances anhand authentischer Zeugnisse von Freunden und Weggefährten nacherzählte Lebensgeschichte des Komponisten wird musikalisch auf dem Instrument begleitet, mit dem der Komponist seit seinem zehnten Lebensjahr geradezu verwachsen war, dem Klavier. Zu hören sind u.a. sein „Songbook“, die „Preludes“ und die Soloklavier-Fassung der „Rhapsody in Blue“.

Rezitation: Martina Gedeck
Klavier und Idee: Sebastian Knauer
Text: Wolfgang Knauer

 

Martina Gedeck
wurde in München geboren. Nach einem Jahr in den USA begann sie 1982 ein Schauspiel-Studium im Max-Reinhardt-Seminar an der Berliner Hochschule der Künste.
Zuerst trat Martina Gedeck als Theaterschauspielerin auf, dann machte sie sich einen Namen in Fernsehproduktionen und entwickelte sich zu einer der bedeutendsten deutschen Filmschauspielerinnen ihrer Zeit.
Martina Gedeck erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter der „Blaue Panther“ (1995), der Bundesfilmpreis (1997), der Adolf-Grimme-Preis (1998/2002), der Bayerische Filmpreis (1995/2000), der Deutsche Filmpreis (2002), die „Goldene Kamera“ (2003), der Deutsche Fernsehpreis (2004). 2007 wurde ihr der Bayerische Verdienstorden verliehen.
In dem Film „Der Baader Meinhof Komplex“ (2008) spielt Martina Gedeck die Rolle von Ulrike Meinhof.
Martina Gedeck lebt in Berlin.

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