„Immergut“ ist immer gut: In Mecklenburg-Vorpommern beginnt die Festival-Saison

Bandbreite reicht von Rock über Indie und Punk bis Elektro und Folk

Mecklenburg-Vorpommern ist ein Flächenland, und wo genug Platz ist, da kann auch ausgiebig gefeiert werden. Inzwischen haben sich im Nordosten einige von Deutschlands wichtigsten Sommerfestivals entwickelt, wie etwa das Elektromusik-Festival „Fusion“ in Lärz oder das punkige „Force Attack“ in Klingendorf bei Rostock. Viele der Rock-, Pop- oder Indiefestivals sind von Landeskindern organisiert und bieten Musikliebhabern nicht selten Seeblick oder einen eigenen Strand.

Nicht groß sollen die Festivals in Meck-Pomm sein, sondern gut. Um nicht zu sagen: „Immergut“. Das ist der Name des Lieblingsfestivals für Fans des Indie-Rock mit allen seinen Verzweigungen in die Elektro-Musik, Folk oder ambitionierten Dancefloor. Direkt vor den Toren der Residenzstadt Neustrelitz findet die Veranstaltung vom 31. Mai bis 1. Juni statt, zu der nicht mehr als 5.000 Besucher auf das Gelände gelassen werden. Das Publikum bleibt überschaubar, die Musik, immer im Wechsel auf zwei Bühnen, ist dadurch umso besser zu genießen. Man ist hautnah dran an den großen Indie- und zunehmend auch Elektro-Bands wie „The Notwist“ httpv://youtu.be/tTsRc7onrB0
oder den „Beach Fossils“.httpv://youtu.be/heXeUj5MfFc
Dass es nicht bei ruhiger, melodiöser Musik bleibt, dafür sorgt 2013 eine ganze Reihe anderer, lautstarker Bands: die Blödel-Techno-Truppe „Fraktus“ mit Heinz Strunk, Jacques Palminger und Rocko Schamoni zum Beispiel. Oder die Post-Surf-Rocker „White Fence“ http://youtu.be/drfIG6pe0K4und die Mädchen-Schrammel-Band „Die Heiterkeit“.httpa://youtu.be/NfSfPEP_yDc Dazu gibt es wie immer jede Menge Rahmenprogramm vom Mitmach-Zelt über Plattenlabel-Info-Stände oder auch den Kunst-Bereich „Kunz“ für junge bildende Künstlerinnen und Künstler. Da kommt man ins Schwärmen – ganz ohne Rausch.

Etwas weiter westlich, aber ähnlich idyllisch gelegen, findet etwas statt, für das es schwer ist, überhaupt einen Namen zu finden. „Fusion“ nennt sich das Veranstaltungskonglomerat aus Musik, Performance, Kunst, Mitmachworkshop, Selbstfindungstrip und Lebenshilfe. Der Ort spricht für sich: ein alter russischer Militärflugplatz in Lärz. Leere Hangars und ganz viel Wiese. Wo früher die Kampfbomber parkten, ruhen sich jetzt die Dauertänzer aus. Und weil in Mecklenburg-Vorpommern alles gut überlegt sein will, ist die „Fusion“, die in diesem Jahr vom 27. bis 30. Juni stattfindet, nichts für Kurzentschlossene. Denn die 58.000 Tickets wurden verlost, und das schon im Dezember des Vorjahres. Nachzügler haben noch ab Mai eine Chance, wenn die Ticketbörse öffnet. Bis dahin: Keine Karten, keine Fotos und nur wenige Informationen zum Programm. Das Fest wird bunt, die Details bleiben geheim – bis zur Veranstaltung.

Kurz und schmerzlos: Rostock, die größte Stadt des Bundeslandes leistet sich in diesem Jahr am 6. Juli ein ganz eigenes Festival. Nur einen Tag zwar, aber die Beteiligten von „Rostock rockt“ haben es in sich: Jupiter Jones,httpv://youtu.be/fgCOUO-s8nY
Max Herre,httpv://youtu.be/7KyOyAPYSlk
Grossstadtgeflüster httpv://youtu.be/0sfYKFYqdZw
und Minitimer Katzenposter haben sich angesagt. Dazu natürlich der ehemalige Rostocker Marteria. Zu erleben im IGA-Park auf halbem Weg zwischen Innenstadt und Strand.
Weitere Informationen: www.rostockrockt.de

Bunt im wahrsten Sinne ist das „Force Attack“ in Klingendorf bei Rostock. Bunt vor allem auf und in den Köpfen. Was Wacken für die Metal-Fans, das ist das „Force Attack“ für die Punks. Zwischen dem 26. und 28. Juli zieht eine unkonventionelle Ausgelassenheit in die Rostocker Heide, und in den Supermärkten der Umgebung wird das Bier knapp. Die Musik reicht von jungen Wilden bis hin zu etwas angegrauten, aber energischen Musik-Rebellen, in diesem Jahr etwa „Toxoplasma“ oder „Peter and the Test Tube Babies“. Doch selbst wer schnelle Musik nicht mag: Sehenswert ist Deutschlands größtes Punk-Festival allemal.

Bei dem Festival, das jährlich in Bad Doberan bei Rostock stattfindet, verschiebt sich das Durchschnittsalter der Besucher deutlich in Richtung Lebensmitte: Vom 1. bis 4. August findet die „Zappanale“ statt,httpv://youtu.be/IRAtAr1o3kY ein Festival, das sich der Musik Frank Zappas widmet und jedes Jahr eine Reihe von Bands versammelt, die sich der Musik des Meisters verpflichtet fühlen. Höhepunkt dürfte in diesem Jahr der Auftritt der Band „Banned from Utopia“ sein, eine All-Star-Gruppe aus ehemaligen Mitstreitern Zappas. Ansonsten bewegen sich die eingeladenen Bands zwischen Rock, Blues, Jazz und Experimentalmusik – alles im eher beschaulichen Bad Doberan, der einzigen deutschen Stadt mit Frank-Zappa-Denkmal.
Weitere Informationen: www.zappanale.de

Das Festival „Zuparken“ in dem kleinen Ort Kägsdorf gleich am Wasser hat mit der „Fusion“ einiges gemeinsam: Die Veranstaltung, die vom 13. bis 16. Juni stattfindet, ist schon im Dezember ausverkauft. Das Musik-Programm gibt es erst, wenn das Festival losgeht. Und auch „Zuparken“ ist mehr als ein Festival: zur Musik gibt es Surf-Wettbewerbe, Workshops, Einführungskurse und das Neueste in Sachen Surf-Zubehör. „Zuparken“ – das bezeichnet auch eine Lebenseinstellung. Und nicht ganz zufällig hat sich das Festival zum Treffen für T4-Liebhaber entwickelt. Da wird man gewissermaßen historisch von VW-Bullis zugeparkt.
Weitere Informationen: www.zuparken.de

Überall darf getanzt werden. Und wer am liebsten die harten Beats hat, dem sei das „Airbeat One“ in Neustadt-Glewe empfohlen. Wieder ist ein Flugplatz der Ort des Geschehens, und die Gästeliste kann sich sehen lassen: Steve Aoki, Alesso, Dimitri Vegas & Like Mike, Klangkarussel httpv://youtu.be/EmeX-FwKEk0 und sehr viele andere. Das „Airbeat One“ versammelt vom 18. bis 21. Juli alles, was in der Elektro- und Clubmusik-Szene Rang und Namen hat. Auf mehreren Bühnen entfaltet sich jedes Jahr eine gigantische Show mit Laser-Licht und harten Beats.

Darüber hinaus gibt es noch etliche kleinere Festivals, die sich mehr oder minder abgelegenen Musikstilen und Themen öffnen. Das „Baltic Spring Break“ (9. bis 11. August) in Ahlbeck etwa widmet sich der elektronischen Tanzmusik, gleich in der Nähe versammelt das „1. Utopia Festival“ (4. bis 6. Juli) in Zinnowitz Independent-Bands um die Gruppe „Jennifer Rostock“. In Peenemünde findet vom 14. bis 16. Juni das „Meeresrausch“-Festival statt. Als Veranstaltung weit weg vom Mainstream präsentiert sich das „Nachtigall“-Festival vom 7. bis 9. Juni in Strasburg bei Woldegk, direkt an der A20. Elektronische Tanzmusik, fantastische Lichtshows und rund 4.000 Musikfans werden vom 16. bis 18. August eine stillgelegte Kieskuhle in Feldberg mit Leben erwecken. Nach einer erfolgreichen Premiere im letzten Jahr findet dort, inmitten von Feldern und Seen, das nunmehr zweite „3000 Grad“-Festival statt.

Foto: © Niklas Wolter

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