Bastian Stein Quartett

Bastian Stein Quartett bei CarLo 615 in Rostock

Bastian Stein Quartett – Die Trompete, das Schlagzeug und die Poesie

Bastian Stein Quartett am 20. Februar 2016 um 20:00 Uhr zu Gast bei CarLo 615 am Stadthafen in Rostock. Veranstalter ist der Jazzclub Rostock. Der in Wien aufgewachsene und in Köln lebende Trompeter, Bastian Stein, macht sich auf zu neuen Ufern. Nach seinen ersten beiden Veröffentlichungen „Grounded“ (Double Moon Records) und „Diegesis“ (Pirouet Records), stellt Stein mit Johannes Enders (Saxofon), Phil Donkin (Bass) und James Maddren (Drums) nun sein neues hochkarätig besetztes Projekt vor.

Die daraus resultierende CD „Viktor“ ist Anfang 2016 im Rahmen einer Europatournee präsentiert worden. Dessen Musik schlüpft hier in ein völlig neues Klanggewand. Ohne Harmonie-Instrument entwickelt der Bandleader hier  faszinierende Töne von enormer Bewegungsfreiheit. Töne, die auch ungewöhnlich persönlich sind.

Eingefahrene Klischees sind im musikalischen Konzept des jungen kreativen Trompeters ein Fremdwort. Keinerlei Scheu zeigend, wandelt er in seiner Musik mit Liebe an den Schnittstellen zwischen den verschiedenen Spielformen des modernen Jazz. Geschätzt für sein vielschichtiges und zugleich sehr warm klingendes Spiel, versucht Bastian Stein vor allem Brücken zu schlagen. Von der Tradition hin zur Moderne, vom Jazz hin zu anderen Musikstilen. Was er entstehen lässt, ist eine von einer spürbaren Lebendigkeit getragene und überaus melodiebetonte Klangsprache, die, trotz komplexer Struktur, niemals ins Kopflastige kippt.

Bekenntnis-Musik. Jazz eines faszinierenden Quartetts, das Hörer auf vielfältige Art zu berühren weiß.

„Viktor“ heißt die zweite Pirouet-CD des Trompeters Bastian Stein.

Dessen Musik schlüpft hier in ein völlig neues Klanggewand. Ohne Harmonie-Instrument entwickelt der Bandleader hier zusammen mit Saxophonist Johannes Enders, Bassist Phil Donkin und Schlagzeuger James Maddren faszinierende Töne von enormer Bewegungsfreiheit. Töne, die auch ungewöhnlich persönlich sind.

Überschwänglicher als der Pirouet-Erstling dieses Musikers im Frühjahr 2013 wird selten eine CD gefeiert. „Was für ein Ton!“ – mit diesem Ausruf etwas begann die Besprechung im Magazin „Audio“, die dann den „facettenreichen“ und „weichen“ Ton des Bandleaders lobte und diese Musik als „Filigran-Jazz“ etikettierte. „Eine wunderschöne CD“, befand die Fachzeitschrift „Jazzpodium“. Und der Radiosender BR-Klassik attestierte Steins Musik „poetische Kraft und viel Ruhe“. Stein selber verfüge, hieß es da weiter, über ein „makelloses Spiel“, das er dazu nutze, „Klänge und Läufe seiner raffiniert schönen Melodien in alle Richtungen nuancenreich auszuformen, ohne dabei je den Eindruck zu vermitteln, ein muskulär-sportlicher Spieler zu sein“. Ein Musiker, der etwas zu sagen hat – und der das mit außerordentlich feinen und gut gestalteten Tönen tut: So könnte man das zusammenfassen. Und genau das sind die besonderen Merkmale dieses 1983 in Heidelberg geborenen Trompeters, der seit seinem fünften Lebensjahr in Wien aufwuchs, dort sowie in Amsterdam und New York ausgebildet wurde und nun in Köln lebt. Jetzt liegt Steins nächste CD vor, in völlig neuer Besetzung. Nach einem Quartett, in dem unter anderem der bei Pirouet vielfach vertretene Pianist Pablo Held mitspielte, hört man hier nun eine Band ohne Pianisten. In eine ganz andere Klangwelt taucht Bastian Stein auf dieser CD mit dem Titel „Viktor“ also ein – und sie fasziniert mit atemberaubender Intensität.

Die Partner in diesem Quartett sind Saxophonist Johannes Enders, Bassist Phil Donkin und Schlagzeuger James Maddren. Eine prominente Besetzung: Johannes Enders, der 1967 geborene Riese mit dem ebensolchen Ton aus dem oberbayerischen Weilheim ist seit 2008 auch Professor für Jazz-Saxophon an der Musikhochschule in Leipzig. Der 1980 geborene britische Kontrabassist Phil Donkin spielte in seiner Heimat mit Größen wie Julian Arguelles und Tim Garland, in New York unter anderem mit Ben Monder, Kevin Hays und Mark Turner, er ist

Mitglied in der Band des norwegischen Saxophon-Überfliegers Marius Neset und arbeitete auch mit dem deutschen Posaunen-Virtuosen Nils Wogram zusammen. Donkins britischer Kollege James Maddren, geboren 1987, ist ein äußerst gefragter Musiker, seit er im Trio des walisischen Pianisten Gwilym Simcock spielte; unter anderem begleitete er Sängerin Norma Winstone und Trompeter Kenny Wheeler in einem gemeinsamen Projekt. Maddren lernte ursprünglich Cello und Klavier, danach Schlagzeug.

Und das Schlagzeug ist hier besonders wichtig. „Ich bin ein Musiker, der sehr auf das Schlagzeug fixiert ist“, sagt Stein. „Wenn ich beispielsweise mit einem Schlagzeuger spiele, der eine schlechte Time hat, ist das für mich das Schlimmste, egal wie gut die anderen in der Band sind. Bei einer Band ohne Harmonie- Instrument ist die Verbindung von Solist und Schlagzeuger noch viel intensiver!“ Einen „sehr speziellen Reiz“ habe für ihn diese Art der Besetzung. „Der bedeutendste Unterschied zu einer Band mit Klavier oder Gitarre ist natürlich der, dass die Töne des Solisten nicht in Bezug zu dem Harmonie-Instrument stehen und man dadurch harmonisch deutlich offener, variabler und mehrdeutiger improvisieren kann“, sagt er. Und er fügt noch einen wichtigen Punkt hinzu: „Auch hat sich meine Art zu komponieren dadurch wesentlich verändert. Vorher haben sich Stücke oft aus Akkordfolgen geformt, jetzt gehe ich mehr von der Melodie oder einer Basslinie aus.“

Andere Musik also. Bewegungsfreiheit. Offenheit. Mehrdeutigkeit. Besondere rhythmische Intensität. Und eine Kommunikation, die im Klangbild besonders transparent ist. Dabei stechen natürlich sofort die beiden Blas-Instrumente heraus: Wie Bastian Stein und Johannes Enders in den acht Stücken der CD die Themen exponieren, wie ihre Töne dabei einander zu umarmen scheinen und wie fein die beiden Musiker nach solistischen Einlagen einander die Töne weitergeben: Das allein ist ein immer wieder spannendes Erlebnis für den hörenden Beobachter. Johannes Enders mit seinem wunderbar sensiblen und nuancierten Tenorsaxophon-Ton erweist sich dabei als idealer Partner Steins – und umgekehrt. Enders spielt hier ausschließlich Tenorsaxophon – und Bastian Stein ausschließlich Trompete und eben nicht auch das weichere Flügelhorn wie auf seiner ersten Pirouet-CD. Immens ist auch das Spektrum, das Bass und Schlagzeug in diesen Aufnahmen ausbreiten. Schlagzeuger James Maddren öffnet mit oft ganz zarten Akzenten ganz weite Räume; der Hörer kann sie sich sozusagen hörend ertasten. Und Bassist Phil Donkin versteht es, hier so faszinierend zugleich Bewegung und Ruhe zu erzeugen, dass stets ein ganz starkes Fundament da ist und dennoch der Eindruck von besonders großer Flexibilität erzeugt wird.

„Viktor“ ist der Name von Bastian Steins Sohn, der zum Zeitpunkt der Entstehung dieser CD drei Monate alt war. Musik also gerade hier als ganz persönliches Statement und als Hommage. Die einzelnen Stücke haben dann zum Teil andere Widmungsträger. Mit „Tati“ ist der große französische Filmemacher „Jacques Tati“ gemeint, der – wie gute Musik – auch ohne Worte ungemein lebendig erzählen konnte. „Hydrastis“ ist eine Pflanze, auch „kanadische Orangenwurzel“, „Goldisegelwurzel“ oder „kanadische Gelbwurz“ genannt und könnte Teil einer größeren Serie werden; auch auf seiner ersten Pirouet-CD hatte Bastian Stein ein Pflanzenstück, „Gladiolus Tristis“ („Diese Stücke sind immer meiner Schwiegermutter gewidmet“). „Traces“ bezieht sich laut Bastian Stein auf „die Spuren meiner Eltern im meinem Charakter“: „Wer bin ich, von wem habe ich es, was möchte ich ändern, was weitergeben (an meinen Sohn …)?“ Auch „It seems“ hat mit dem Sohn zu tun: „’It seems‘ it’s gonna be a boy …“. Das darauf folgende Stück, „Off the record“, bezeichnet „die Dinge, von denen man nichts wusste, als man sich entschied, ein Kind zu zeugen“. „Felician“ ist „einem Freund und Musiker gewidmet“. „Fantasia“ habe Bastian Stein geschrieben, als er gerade nach Köln gezogen war: „Es ist den Erwartungen an die Stadt und an die Musikszene gewidmet.“

Das letzte Stück ist das einzige geliehene Thema dieser sonst aus lauter Eigenkompositionen Steins bestehenden CD: „Der Abschied“ aus Gustav Mahlers „Lied von der Erde“, einem großen symphonischen Liederzyklus, den Mahler in den Jahren 1907 und 1908 komponierte. Im Original ist dieser letzte Satz des Werke eine halbe Stunde lang und der entrückte Höhepunkt des umfangreichen und aufwühlenden Werks. Bastian Steins Hommage an dieses Stück ist eine knapp fünfminütige, poetische Paraphrase. Eine Verbeugung, wunderschön und voller Anmut. Mit vielen hinreißenden Momenten der Stimmführung. Bastian Stein sagt über Gustav Mahler und „Das Lied von der Erde“: „Ich bin ein Mahler-Fan, und genau so wie die Musik von Miles Davis oder John Coltrane holt mich seine Musik immer wieder ein. Ich habe dieses Stück wahrscheinlich zum ersten Mal während meines Klassikstudiums in Wien gehört. Und seitdem hat sie mich nicht mehr verlassen.“

Bekenntnis-Musik. Jazz eines faszinierenden Quartetts, das Hörer auf vielfältige Art zu berühren weiß.

Lineup:

Bastian Stein: trumpet & flugelhorn
Johannes Enders: tenor
Phil Donkin: bass
James Maddren: drums

Reservierung unter der Telefonummer 0381/77 88 099 Restaurant Carlo 615 

via: Jazzclub Rostock

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